Moodle vs datango

Moodle vs datango

von Stefan Seiner -
Anzahl Antworten: 6

Hallo zusammen,

mein Name ist Stefan, ich bin 36, Sozialpädagoge mit Erststudium Medieninformatik und komme aus dem Saarland.

Im Rahmen eines Pilotprojektes soll bei uns im Unternehmen (gemeinnütziger Träger der freien Wohlfahrtspflege) ausprobiert werden, ob ein LMS wie Moodle ein nützliches Instrument ist, um Fachkräfte der Jugendhilfe (Erzieher, Sozialpädagogen, Basismitarbeiter_Innen wie auch Leitungsebene) besser miteinander zu vernetzen sowie für Fort- und Weiterbildungen zu nutzen.

Ich selbst gehöre dem Projektteam an und bin neu in Sachen Moodle, jedoch bereits seit zwei, drei Wochen nun dabei, mich in dieses tolle System einzulesen, einzuarbeiten und an einer Moodle-Grundinstallation testweise einige Kurse zu erstellen, um die Funktionen kennen zu lernen und auszuprobieren.

Bislang bin ich von Moodle absolut begeistert, wie auch der Rest der insgesamt dreiköpfigen Projektgruppe.


Von Seiten der "Chefetage" jedoch wird aktuell "datango" gepusht, da bereits angeschafft und im Bereich Pflichtschulungen für Mitarbeiter aus dem Zweig Altenpflege vorgesehen (Hygieneschulung, Arbeitssicherheit), wobei aktuell noch im Testbetrieb.

Ich würde nun ungerne auf ein Tool zurückgreifen müssen, nur weil es gerade vorhanden ist sondern das hernehmen, welches für den Zweck am besten geeignet ist. Doch um an diesem Punkt argumentieren zu können fehlen mir Hintergrundwissen und ein direkter Vergleich.


Aber ich finde zu datango fast nur die Werbetexte von SAP / Paris AG und keine echten Nutzerberichte.

Was mir wirklich helfen würde wäre ein Vergleich, eine Art Gegenüberstellung von Moodle und datango, der im Idealfall auch noch auf mein o.g. Szenario abzielt.

Kennt da jemand etwas hierzu oder kann aus eigener Erfahrung einen kurzen Abriss geben?


Danke im Voraus

Stefan

Mittelwert:  -
Als Antwort auf Stefan Seiner

Re: Moodle vs datango

von Stefanie Berger -
Nutzerbild von Besonders aktive Moodler Nutzerbild von Deutsche Moodle Übersetzer
Lieber Stefan,
ich habe heute durch dich zum erstan Mal von datango gehört – aber ein Hinweis nach dem ersten Blick:
datango sagt von sich selbst, dass es ein Autorentool ist. Mit ihm kann man also Lerninhalte erstellen.
Moodle ist ein Lernmanagementsystem, in dem man zwar auch einige Inhalte erstellen kann, aber die Stärke von Moodle liegt im "Schulungsraum"-Prinzip, mit allem, was dazugehört (bis hin zu Prüfungen). Wenn es also auch um Vernetzung und Kommunikation geht, scheint mir datango nicht geeignet zu sein. Ich habe es mir aber auch wirklich nicht näher angesehen ...
Liebe Grüße
Stefanie
Als Antwort auf Stefanie Berger

Re: Moodle vs datango

von Stefan Seiner -
Danke, das hilft mir schonmal weiter
Als Antwort auf Stefan Seiner

Re: Moodle vs datango

von Ralf Hilgenstock -
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Hast du mal in Erfahrung gebracht wie die Autorenrechte in Datango abgerechnet werden. Zumeist muss man das bei Autorensystemen für jeden Kopf bezahlen.
Als Antwort auf Ralf Hilgenstock

Re: Moodle vs datango

von Stefan Seiner -
Nein habe ich nicht, aber die datango-Frage ist scheinbar auch eine "emotionale" Entscheidung und mit rationalen Argumenten kommt man da ab einem gewissen Punkt nicht weiter.
Zudem könne man alle Moodle-Funktionen, die datango nicht bietet, auch über das vorhandene MS Sharepoint abbilden...

Egal, ich habe nun das OK zumindest im Rahmen des Pilotprojektes Moodle benutzen zu dürfen.
Danach schauen wir dann weiter.
Als Antwort auf Stefan Seiner

Re: Moodle vs datango

von Petra Persa -
Hallihallo, kannst du ein kleines Feedback geben, inwieweit deine Entscheidung für moodle die Richtige war?
Als Antwort auf Petra Persa

Re: Moodle vs datango

von Stefan Seiner -
Ja, gerne.
Aktuell läuft auch gerade die zweite Fortbildungsrunde per Moodle. Ich versuche mal ein paar Punkte aufzuführen.
Ich habe dabei auf die gängigen Standardelemente zurück gegriffe, nix kompliziertes.
z.B.:  "Textseite", Forum, Feedback, Chat, Gruppen, Auswahl, Dateiverzeichnis als Uploadfunktion, externes Einbinden von "Padlet"


Pro aus Sicht der Teilnehmer
- relativ einfacher Einstieg auch ohne größeres Technikwissen, wenn man einen kleinen roten Faden vorgibt ist die eigentliche Benutzung für die TN selbsterklärend, die Bedienelemente im Forum / Beiträgen etc. bekannt aus Word und Co.
- das Einbinden von Bildern , Links, Videos, Dateien geht easy (Dateien sind bissel umständlich einzubinden wie ich finde, das ginge einfacher, aber ist OK)
- APP-Zugriff wird bei meinen TN favorisiert, für den schnellen Überblick, zum Lesen neuer Aufgaben, für Kommunikation mit anderen TN per privater Nachrichten, zum Arbeiten am Tablet. Am PC wird nur gearbeitet wenn viel Textarbeit gefordert ist
- "Passwort vergessen Funktion" funktioniert zuverlässig
- Möglichkeit, nicht nur zu konsumieren sondern auch aktiv Inhalte selbst zu gestalten und einzupflegen
- Möglichkeit, sich mit anderen TN zu vernetzen und gemeinsam an Problemstellungen zu arbeiten
- Moodle war bereits einigen TN bekannt aus Studium oder da eigene / zu betreuende Kinder dies in der Schule nutzen

Cons aus Sicht der Teilnehmer
- man muss sich erstmal einen Überblick verschaffen, wenn der Kurs zu groß / unübersichtlich ist, keine automatische Führung durch den Kurs hindurch -> Zeit einplanen für "Vorführung", selbstständige Einarbeitungszeit und Funktionen kennenlernen. Das war in meiner ersten FB auch die erste Aufgabe:  Moodle erkunden, Profil erstellen, einfach mal alles anklicken und keine Angst davor haben, "das Internet zu löschen"

Pro aus meiner Sicht als Lernbegleiter
- nicht nur Vorsetzen von Wissen sondern die Möglicheit, Teilnehmer zu beteiligen und einen interaktiven Prozess zu starten, gemeinsam neues Wissen zu generieren, Vernetzung der TN untereinander zu ermöglichen und eine komplette Arbeitsplattform zur verfügung zu stellen
- äußerst flexibel, bereits viele Möglichkeiten von Haus aus an Bord, quasi unendlich viele weitere können per Plugins oder  Code-Einbettung ergänzt werden
- Open Source = vieles erstmal kostenfrei nutzbar = man muss nicht wegen jeder Erweiterung wieder um Budgetfreigaben "betteln"
- Einrichtung eines neuen Kurses größtenteils selbsterklärend - wenn man bereits mit einem beliebigen CMS gearbeitet hat (Joomla, TYPO3, Wordpress etc.) findet man sich schnell zurecht und selbst die Neuinstallation eines frischen Moodles ist kein Hexenwerk. Dabei helfen auch zig Tutorials und eine sehr aktive Community
- DSGVO konform
- Verbreitung an Schulen = niedrige Hürden für diejenigen, die Moodle eh bereits aus Schule / Studium kennen = einfach, Akzeptanz zu schaffen
- keiner meiner TN hatte ernsthafte Schwierigkeiten, mit Moodle umzugehen
- läuft stabil
- Integration von BigBlueButton ist prima
- ebenso von H5P

Cons aus meiner Sicht als Lernbegleiter
- Administrationsbereich ist mMn nicht gut durchdacht, sehr unstrukturiert, überladen, wenig intuitiv
- Benutzerverwaltung empfinde ich ebenfalls als nicht gut gelöst. Wenn ich z.B. einen Kurs anlege möchte ich, wenn dieser fertig ist, direkt aus dem Kurs heraus neue TN einladen können -> geht nicht. Und wenn ich mir im Kurs die Benutzer anschaue möchte ich nicht alle Benutzer sehen sondern nur die, die auch im Kurs sind
- beide o.g. Punkte machen es Lernbegleiter schwer, einen Moodle-Kurs eigenständig = ohne jemanden mit Fachwissen im Hintergrund zu haben, zu benutzen; das ist eine Hürde. Das ändert sich, wenn man Moodle regelmäßig benutzt, dann weiß man ja auch was wo zu finden ist. Trotzdem wäre hier ein wenig mehr intuitive Bedienbarkeit im Backend / Adminbereich wünschenswert


Ich kann Moodle als LMS jedenfalls aus meiner Sicht nur uneingeschränkt empfehlen.